16. Mai 2007
Die folgenden Texte aus “Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde” (Zitat s.u.) können als Zusatzmaterial zu den einzelnen Räumen und Beiträgen der Schülerinnen und Schüler verwendet werden.
(Sämtliche Zitate aus: Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857,1858, 1859 unter den Befehlen des Commodore Bernhard von Wüllerstorf-Urbair. Drei Bände. Wien: Aus der kaiserlich-königlichen Staatsdruckerei 1861/62)
Pinguine
Band I / Seite 236f. (Rechtschreibung nicht verändert)
„ […] Auf dem Gange nach dem Plateau, wohin von der Ansiedlerhütte
an der Nordseite des Kraterrandes ein schmaler, steiler und an mehreren Stellen ungemein beschwerlicher Pfad führt, kamen wir an einem Brutplatz des gelbbuschigen Spring-Punguins (Eudyptes chrysocome) vorüber, auf dem sich mindestens 500 bis 600 dieser wunderlichen Thiere befanden, welche mit langen gelben, buschigen und in Halbcirkelform über den Augen vertheilten Federn geziert sind, und, wie die Naturforscher des Lion sehr richtig bemerken, wegen ihres eigenthümlichen Gefieders und der fast schuppenartigen Bedeckung ihrer flossenähnlichen Flügel einigermaßen an die Fischbildung erinnern. Einen Theil des Jahres im Wasser lebend, den anderen meist am Festlande zubringend, hat die Natur sie in einer Weise ausgestattet, welche diesen beiden Zwecken gerecht wird. Das häßliche graubraune Gefieder der Jungen sticht so gewaltig von dem schmucken Kleide der Eltern ab, dass sie beim ersten Anblick kaum als zur selben Art gehörige Thiere erscheinen. Die Weibchen legen nur ein oder zwei Eier, und zwar im October, so dass ihre Jungen zur Zeit unseres Besuches bereits ungefähr anderthalb Monate alt waren. Diese Pinguins, so gelenk und behende im Wasser, ihrem eigentlichen Elemente, zeigen sich ziemlich schwerfällig auf dem Lande und sich daher sehr leicht zu fangen oder mit dem Stocke zu erschlagen. Nur muß man sich dabei vor ihrem langen scharfen Schnabel hüten, mit dem sie leicht ihrem Verfolger nicht unbedeutende Verletzungen beibringen können. Sie haben von ihrem Brutplatze aus bereits einen förmlichen Pfad nach dem Meeresufer ausgetreten und es zeugt zugleich von dem wunderbaren Instinct dieser Thiere, dass dieser Ort fast der einzige Punkt auf der ganzen Insel ist, welcher vom Meere aus errreicht werden kann. Es bietet ein eigenthümliches Schauspiel dar, eine Anzahl jener Spring-Pinguins zu sehen, wie sie , nachdem sie sich mit Muße im Meer gebadet und Nahrung für ihre Jungen gesammelt haben, mit ihren Zierlichen Köpfen aus dem Wasser auftauchen, und wohlberechnend von der heranstürzenden Brandung sich ans Ufer spülen lassen, oder wie sie, mit gebücktem Kopfe von Stein zu Stein hüpfend, sich plötzlich gleich gewandten Trampolinspringern in die wilde Fluth stürzen! […] “
Vögel
Band I/ Seite 246 (Rechtschreibung nicht verändert)
„ […] Was die Fauna St.Pauls betrifft, so erscheint eine bisher noch nicht beschriebene Art aus der Gattung der Seeschwalben (Sterna) mit korallenrothem Schnabel und Füßen, schwarzem Kopfe und einem höchst zierlichen silbergrauen Gefieder, unstreitig als der schönste unter ihren geflügelten Bewohnern, während die Pinguine (Eudyptes chrysocome) als die wunderlichsten und seltsamsten Geschöpfe der Insel angesehen werden müssen. Außerdem kommt noch ein zierlicher, im Felsen nistender grauer Sturmtaucher (Prion vittatus) und eine braune Raubmöwe (Stercorarius antareticus), so wie drei Arten von Albatrossen (Diomeda exulans und chlororhynchos und Phoebtria fuliginosa) vor, welche sämmtlich in zahlreichen Exemplaren gesammelt worden sind. […]“
Robben
Band I/Seite 246f. (Rechtschreibung nicht verändert)
„ […] Eine etwas reichere Ausbeute, als die Oberfläche, bot das Kraterbecken. Dasselbe hat eine Thiefe von 100 bis 175 Fuß; dicht am Rande fiel das Senkloth bereits zehn Faden tief hinab. Versuche mit dem Schleppnetze (Drague), obwohl zu wiederholten Malen angestellt, haben zu keinerlei günstigen Resultaten geführt. Dagegen lieferte die Angel manches interessante Sammlungsstück, und Wanderungen zur Zeit der Ebbe über die bloßgelegten Felsblöcke längs des Ufers am Kraterbecken lohnten sich durch manchen konchyliologischen Fund. In der Mitte des Bassins trafen wir bei 34 Faden Tiefe schlammigen Grund, in der Nähe der heißen Quelle ungefähr 100 Fuß davon entfernt bei 19 Faden, und an einer dritten Stelle an der Südseite erst bei 23 Faden. […]
[…] Die Bärenrobben (Arctocephalus falclandicus), von denen, wie Macartney erzählt, noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts täglich Tausende ans Ufer kamen, um sich zu sonnen, sind dermalen gänzlich verschwunden und nur höchst selten soll eines dieser Thiere von den gegenwärtigen Bewohners der Insel gesehen und erlegt werden. Nicht einmal von den Gerippen jener Seesäugethiere, welche noch, als die Naturforscher des Lion die Insel St.Paul durchwanderten, so massenhaft umherlagen, daß man sich gleichsam nur über Knochenfelder entlang des Kraterrandes fortbewegen konnte, ist dermalen eine Spur vorhanden, und Niemand würde ahnen, dass auf dieser Insel einst Hundertausende Robben ihren Tod gefunden haben. […]”
Nutztiere
Band I/Seite 247 (Rechtschreibung nicht verändert)
„ […] Fast alle vierfüßigen Bewohner der Insel sind aus Europa oder den französischen Colonien durch Schiffe hierher gebrachte Hausthiere, wie Schweine, Ziegen, Katzen, Kaninchen, welche gegenwärtig im verwilderten Zustande hier leben. Die Ziegen, welche zuerst um das Jahr 1844 eingeführt wurden, sind in großer Anzahl im nordwestlichen Theil der Insel vorhanden; Schweine dagegen werden seltener angetroffen. Während unserer Anwesenheit wurde ein Schwein und eine verwilderte Katze erlegt; wenige Tage darauf fing man die fünf Jungen dieser Katze, welche aus Mangel an Nahrung freiwillig ihr Versteck verlassen hatten. Ein Hasenweibchen, das wir aus der Capstadt mitgebracht, erhielt auf der Insel die Freiheit und es war für die Fortpflanzung dieser nützlichen Thiere ein glücklicher Zufall, dass sich auf der Insel bereits ein Männchen dieser Hasenart befand. Auch ein paar Gänse wurden den Ansiedlern zum Geschenke gemacht, die sich vielleicht dort fortpflanzen.
Da wir die Insel unbewohnt glaubten, so war es anfänglich die Absicht, mehrere Gattungen Hausthiere verschiedener Geschlechter behufs der Fortpflanzung auf St. Paul zurückzulassen und wir hatten zu diesem Zwecke bereits in der Capstadt verschiedene Einkäufe an Nutzthieren gemacht; allein wir unterließen dieses Vorhaben unter den herrschenden Umständen, wo für dieselben wenig Aussicht vorhanden schien, so lange verschont zu bleiben, um den gewünschten Erfolg zu erreichen. Kühe werden zuweilen von den Walfängern des frischen Futters wegen zur Kräftigung auf der Insel zurückgelassen und nach einigen Monaten wieder abgeholt. […] “
Bumerang
Band III/ S 28f. (Rechtschreibung nicht verändert)
„ […] Wir forderten die uns umstehenden Eingeborenen auf, den Bumerang oder Kilie zu schleudern, und waren nicht wenig erstaunt zu sehen, dass kein einziger der schon ziemlich civilisierten, schwarzen Natursöhne dieses berühmte Wurfgeschoß mit sich führte, sondern dasselbe erst aus dem Knieholze eines benachbarten Baumstammes geschnitzt werden musste. Indeß waren diese halbmonförmige, 15 Zoll lange, 2 Zoll breite, eben so rohe, als durch ihre Flugeigenthümlichkeit merkwürdige Waffe bald angefertigt, und wenn die damit angestellten Schleuderversuche keinen richtigen Begriff von der Furchtbarkeit des Bumerang und der viel gerühmten Gewandtheit der Eingeborenen, ihn zu schleudern, gaben, so lag der Grund wohl hauptsächlich darin, dass das platte rippenähnliche Stück Holz nicht jene parabolische oder hyperbolische Form besaß, welche eine Hauptbedingung zu sein scheint, damit dasselbe, unter einem Winkel von mindestens 30 bis 40 Grad geworfen, in drehender Bewegung wieder nach dem Ausgangspunkte zurückkehre. Wir haben jedoch bei einer anderen Gelegenheit Bumerangs von Eingeborenen in große Entfernungen mit so bewunderungswürdigen Geschick schleudern sehen, dass dieselben jedes Mal wieder in die Nähe jenes Punktes zurückkehrten, von dem aus sie geschleudert wurden. Die ganze Erscheinung des Zurückfliegens ist so befremdend, dass man deren Richtigkeit zu weilen bezweifeln hört, obschon eine Erklärung leicht in der Construction der Waffe gefunden werden kann. Da nämlich dieselbe zwei völlig platte Seitenflächen hat, so rotirt sie, gleichsam auf der Luft aufliegend, und wird durch deren Widerstand gezwungen eine Ellipse, vielleicht eine Parabel zu beschreiben, was bei jedem Körper der Fall sein dürfte, welcher flache Seiten hat und von dem der Schwerpunkt der Figur nicht mit dem Drehungsmittelpunkte übereinstimmt, sobald der Stoß seitlich von der Verbindungslinie beider Punkte geschieht. Begreiflicher Weise muß für den günstigsten Fall der Körper derart geworfen werden, dass seine Ebenen mit den Luftschichten einen Winkel von nahe an 45 Grad bilden. […]”
Fußnote: Nach englischen Schriftstellern sollen bumerangähnliche Waffen auch in den Gräbern von Theben in Ober-Ägypten gefunden werden. Auf einem der Frescobilder, welche die Sitten und Gebräuche der alten Ägypter illustriren, und sich gegenwärtig im britischen Museum in London befinden, ist eine Figur im Momente dargestellt, wo sie den „Bumerang“ oder „Wurfstock“ nach einer Anzahl von Enten schleuderte, welche gerade aus dem Gebüsch von Papyrusstauden auffliegen.“